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Rückkehr in den Tod

21.08.

Allgemeine Zeitung vom 18.08.2014

 
Von Heiko Beckert

STOLPERSTEINE In Klara- und Frauenlobstraße Gedenken an Ermordete des Nazi-Regimes

MAINZ - Eigentlich waren Eva und Herta Adler 1937 in Sicherheit, als sie US-amerikanischen Boden betraten. Doch im Gegensatz zu ihrer Tochter hatte Eva Adler kein Visum und musste wieder nach Deutschland zurückreisen. Es war eine Rückkehr in den Tod. 1942 kam sie in Piaski (Polen) um. Seit Samstag erinnert nun ein Stolperstein vor dem Haus Frauenlobstraße 92 in der Neustadt an das Schicksal von Eva, Herta und Max Adler, der ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Aus New York angereist

Die Wunden sind bis heute offen. „Ich konnte nie meinen Großvater besuchen“, sagte Dr. Ruth Weichsel-Hoffman, die mittlerweile 74-jährige Tochter von Herta Adler, die aus New York angereist war. Bewegt zeigte sich auch ihr Bruder Bernard E. Weichsel. Die Einbettung der Gedenksteine bedeute ihm und seiner Familie viel. „Ich glaube, sie wäre heute gern hier“, ergänzte Weichsel-Hoffman mit Blick auf ihre Mutter.

Ein ganz ähnliches Schicksal ereilte eine Familie in der Klarastraße 29 in der Altstadt: Während Jettchen und Ruth Gertrude Mayer 1942 in Treblinka ermordet wurden, gelang Helina Mayer 1939 die Flucht in die USA. Deren Tochter, Joan Salomon, berichtete, dass ihre Mutter zeitlebens nicht über ihr Leben in Deutschland reden konnte. Dafür habe sie Briefe ihrer Großmutter, einer „frommen und stolzen Frau“. Sie sei sicher, dass ihre Großmutter mit „hoch erhobenen Kopf in die Gaskammer gegangen“ sei.

Dankbar sei sie, dass der Künstler Gunter Demnig das Projekt „Stolpersteine“ ins Leben gerufen habe: „Sie sind wirklich ein Geschenk für uns alle“, sagte Salomon zu dem Künstler, der routiniert und schweigsam seine Gedenksteine in den Bürgersteig einließ. Nun könne sie „Frieden mit der Vergangenheit“ schließen – auch dank der Hilfe der Stolperstein-AG des Frauenlob-Gymnasiums mit Mechthild Frey und Reinhard Frenzel, die zusammen mit den Angehörigen die Verlegung der sechs Gedenksteine angestoßen hatten.

Schuhgeschäft zertrümmert

Bei einigen Teilnehmern wurde während der Zeremonie die Vergangenheit wieder lebendig. Willi Eisenmenger etwa berichtete, dass er als Kind gesehen hatte, wie zwei SA-Männer in der Klarastraße ein Schuhgeschäft, das Juden gehörte, zertrümmerten. So seien sie die Raten für ihre Schaftstiefel, die sie dort gekauft hätten, losgeworden. Wie die beiden ungestraft einen jüdischen Nachbarn zusammenschlugen, habe er als damals 11-Jähriger ebenfalls beobachtet, erzählte der heute 87-Jährige.

Die Menschen, die Opfer der Nazis wurden, hätten gern in Mainz gelebt, gab sich Johannes Klomann, Ortsvorsteher der Neustadt, überzeugt. „Ganz normale Familien wurden aus der Stadt herausgerissen“, so Klomann. Die Stolpersteine seien auch ein Zeichen, dass Antisemitismus „keine Chance“ haben dürfe. Dem schloss sich Jürgen Hoffmann, stellvertretender Ortsvorsteher der Altstadt, an. Er bemängelte aber, dass es noch Defizite bei der Erforschung der Mainzer NS-Opfer gebe.

Rund 1400 Mainzer Juden wurden während der NS-Herrschaft ermordet. An 96 erinnern nun laut Martin Steinmetz vom Kulturamt Stolpersteine. Dafür bedanke er sich bei Spendern und Paten. Die Stadt begrüßt die Verlegung der 120 Euro teuren Gedenksteine, überlässt dies aber Privatpersonen und Initiativen.

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