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Mit zitternden Händen

07.11.

Allgemeine Zeitung vom 07.11.2013 - MAINZ

Von Julia Sloboda

STOLPERSTEINE Aktion in der Altstadt erinnert an von Nazis ermordete jüdische Mitbürger

Noch ist ihr Griff fest, als Yvonne Lorber den quadratischen Stein in die Erde setzt. „Später werden meine Hände anfangen zu zittern. Dann kriegen mich die Emotionen“, beschreibt die 77-Jährige ihre Gefühlslage. Mit ihrer Tochter ist sie aus New York City angereist, um bei der Verlegung sieben neuer Stolpersteine in der Mainzer Altstadt dabei sein zu können. 86 dieser Steine gibt es mittlerweile in der Stadt. Sie werden in den Fußweg eingelassen und erinnern mit einer Textgravur an frühere jüdische Mitbürger, die in dem jeweiligen Haus wohnhaft waren und während der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden.

Yvonne Lorbers Vater Herbert Mannheimer wohnte in der Lotharstraße, dort hatte er auch seine Anwaltskanzlei. Auch für seine zwei Schwestern, von denen eine ebenfalls deportiert und umgebracht wurde und die andere sich das Leben nahm, werden Stolpersteine in den Boden der Fußgängerzone gesetzt. „Das ist ihr Platz“, findet Yvonne Lorber. Dass es eine solche Aktion gibt, hatte die New Yorkerin überrascht. Sie erfuhr vom ehemaligen Lehrer des Frauenlob-Gymnasiums, Reinhard Frenzel, davon. Von ihm erhielt sie auch viele Informationen über ihren Vater. „Das war jedes Mal wie ein kleines Wunder für sie“, erzählt Frenzel. Für die 77-Jährige war es deshalb auch keine schwere Entscheidung, ob sie die beschwerliche Reise nach Mainz auf sich nimmt, um bei der Verlegung der Gedenksteine dabei zu sein.

An der Recherche der Informationen beteiligt sich auch die Stolpersteine-AG des Frauenlobgymnasiums. Die beiden Schwestern Herbert Mannheimers waren auf die damals noch unter dem Namen „Höhere Mädchenschule“ laufende Schule gegangen.

In alten Klassenbüchern suchen die Mitglieder der AG nach Informationen über frühere Schülerinnen. Mit Hilfe von Archiven, dem Internet oder der Recherche in Deportationslisten versuchen sie Familienverhältnisse und Wohnorte zu rekonstruieren. „Am Anfang haben wir nur einen Namen und dann fangen wir an zu suchen“, erzählt die 18-jährige Jenny. Auch der Mainzer Verein für Sozialgeschichte beteiligt sich seit Jahren an der Suche nach neuen Stolpersteinstandorten und versucht, Kontakte zu noch lebenden Nachkommen aufzunehmen. Gestemmt wird die Aktion lediglich von privaten Initiativen, die für die jeweils 120 Euro teuren Steine aufkommen.

„Durch die Steine wird es physisch. Hier haben diese Menschen gelebt, als sie verschleppt und umgebracht wurden“, sagte Ortsvorsteherin Ursula Brede-Hoffmann zum Hintergrund der Aktion.

Ein Jeder, der den Fuß hebe, um über den Stolperstein zu schreiten, solle dabei denken: „Nie mehr wieder.“.

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