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Interview: Herr Moos zu G8, Turbo-Abi...

21.11.

Wer einen Sohn, eine Tochter in der vierten Klasse hat, beschäftigt sich derzeit mit der Frage: Welche Schule soll mein Kind ab nächstem Sommer besuchen? Und wenn es ein Gymnasium sein soll - dann welches? Den schwächsten Zulauf hatte im vergangenen Jahr das Frauenlob-Gymnasium in der Neustadt zu verzeichnen. Ob und wie die Schule dennoch optimistisch in die Zukunft - und auf das Schuljahr 2015/16 - schaut, darüber sprachen wir mit Schulleiter Stefan Moos.

 

Herr Moos, für das laufende Schuljahr haben Sie lediglich drei fünfte Klassen zusammenbekommen. Sollen es nächstes Jahr mehr werden?

Wir gehen entspannt und selbstbewusst in die Zukunft: Auch mit drei starken Zügen können wir gut leben. Wir wollen nicht den Eindruck erwecken, dass wir verzweifelt um Schülerinnen und Schüler buhlen - dem ist nicht so. Dennoch freuen wir uns natürlich, wenn sich Jugendliche und Eltern für unser Konzept begeistern und sich für uns entscheiden.

Aber warum sind das bislang nicht allzu viele?

Man muss sich die Ursachen näher anschauen - die geringen Anmeldezahlen des letzten Jahres nur auf G 8 und das Gerangel um die Besetzung der Schulleiterstelle zurückzuführen, wäre falsch. Richtig ist stattdessen: AKK war unser klassisches Einzugsgebiet. Früher hatte das Frauenlob sieben Züge, gut drei Klassen davon wurden mit AKK-Schülern gebildet. Von diesen Kindern dürfen wir heute nur noch wenige aufnehmen. Übrigens haben wir nach Beginn des Schuljahrs noch so viele Anfragen von zugezogenen Familien bekommen, dass wir locker noch eine vierte Klasse hätten bilden können. Diese Eltern suchten ganz bewusst eine G 8-Schule.

Bei vielen Eltern herrschen aber Vorbehalte. G 8 hat generell eher einen schlechten Ruf, auch weil andere Bundesländer schlecht damit gefahren sind.

Ja, aber dazu muss man deutlich machen, dass wir ein ganz anderes, ein eigenes Konzept haben. Von diesem bin ich sehr überzeugt - das darf ich sagen, weil es zum Großteil nicht mein Verdienst ist, ich bin ja als kommissarischer Schulleiter noch nicht allzu lange hier. Auch die Rückmeldungen, die wir von unseren G 8-Schülern - der erste Jahrgang kommt jetzt in die Oberstufe - und ihren Eltern bekommen, sind durchweg positiv.

Was sind denn Vorteile Ihres G 8-Konzepts?

Ganz zentrale Punkte sind, dass Kinder das eigenständige Lernen lernen. Und dass Ganztagsschule mehr heißt als ganztägiger Unterricht - an unserer Schule findet Leben statt. Wir haben Strukturen erarbeitet, die dies ermöglichen.

Was unterscheidet Ihr G 8-Modell von anderen?

Bei uns ist es zum Beispiel nicht so, dass vormittags der Unterricht stattfindet - sechs Stunden am Stück -, und dann nachmittags Betreuung. Wir haben einen Rhythmus, in dem sich Anspannung und Entspannung abwechseln. Unterricht wird entzerrt, dazwischen gibt es Phasen der Erholung oder Bewegung und des eigenständigen Lernens. Und die Kinder bekommen natürlich auch Zeit, einfach das zu tun, worauf sie Lust haben.

Gibt es weitere Vorteile?

Im Gegensatz zu G 9-Schulen fällt bei uns kein Unterricht aus. Die Eltern können sich darauf verlassen, dass ihre Kinder von morgens acht bis nachmittags 16 Uhr Schule haben und nicht früher heimgeschickt werden. Fällt ein Lehrer aus, übernimmt ein anderer; die Schüler werden in einem anderen Fach unterrichtet oder arbeiten selbstständig weiter an Lernaufgaben und Projekten. Dabei werden sie von unseren Lehrerinnen und Lehrern unterstützt. Überhaupt sind in den Lernzeiten stets Lehrer anwesend, das hat eine höhere Qualität als etwa bloße Hausaufgabenbetreuung.

Ein Vorwurf an G 8 ist, dass es ein Turbo-Abitur ist.

Das muss man relativieren: G 9-Schulen bieten nicht einmal ein halbes Jahr mehr Zeit, da ihre Schüler im Januar das schriftliche Abitur machen. Und wie gesagt, wir haben keinen Ausfall. Es gibt Berechnungen, die besagen, dass an G 8 insgesamt mehr Unterricht stattfindet als an G 9.

Bleiben die vermittelten Inhalte die gleichen?

Wir haben die Lehrpläne gründlich ausgemistet! Ganz nach dem Motto - wir müssen nicht alles vermitteln, aber das, wofür wir uns entscheiden, vermitteln wir richtig. Es geht uns vor allem darum, wichtige Kompetenzen der Kinder zu entwickeln, die über das reine Fachwissen weit hinausgehen. Dabei bleibt die Fachlichkeit natürlich nicht auf der Strecke.

Können Sie das etwas konkreter schildern?

Ich nehme da gerne die Atmung des Frosches. Steht im Lehrplan, aber nach der Schule brauchen Sie dieses Wissen vermutlich nie wieder. Aber vielleicht müssen Sie später mal wissen, wie ein Regenwurm atmet, oder ein Hirsch. Dann müssen Sie gelernt haben, wie Sie an die Informationen kommen.

Viele Menschen bringen G 8 trotzdem mit erhöhtem Druck in Verbindung.

Natürlich gibt es an unserer Schule, wie an allen anderen Schulen auch, Schüler, die unter Druck stehen. Ich behaupte: Manche Jugendliche machen ihn sich selbst. Andere verspüren von mehreren Seiten Druck; durch eine familiäre Situation vielleicht, oder Probleme in der Pubertät. Und natürlich werden sie auch in der Schule mit einem gewissen Leistungsanspruch konfrontiert. Wir sind ein Gymnasium, das auf das Abitur und später vielleicht auf eine akademische Laufbahn vorbereitet.

Nun ist es in einer Ganztagsschule vielleicht wichtiger als in einer Halbtagseinrichtung, dass Kinder mit ihrem Druck, mit ihren Problemen gesehen werden.

Das versuchen wir, und das gelingt uns in der Regel gut. Ein Klassenlehrer verbringt bei uns sehr viel mehr Stunden mit seiner Klasse als an anderen Schulen; zudem erleben die Lehrer die Kinder auch in Lernzeiten und anderen Ganztagsaktivitäten, etwa beim Mittagessen. Sie sind sehr nahe dran an den Schülern. Es ist bei uns normal, dass sich Schüler Lehrer als Vertrauenspersonen auswählen und sie bei allen möglichen Problemen zu Rate ziehen.

Kann es aber nicht auch sein, dass Kinder ganz allgemein auf einem Gymnasium überfordert sind? Wegen der freien Schulwahl können Eltern ja jedes Kind, ungeachtet seiner Grundschulnoten, aufs Gymnasium schicken.

Wir haben unsere Schüler sehr genau im Blick, und wenn es Schwierigkeiten gibt, überlegen wir intensiv, wie wir helfen können. Wir verfügen über viele Angebote, etwa die Lerncoaches, die eine Eins-zu-Eins-Betreuung gewährleisten. Kommen wir nicht weiter, überlegen wir, ob das Kind auf einer anderen Schule besser aufgehoben wäre, einer Halbtagsschule vielleicht oder einer Realschule. Es sollte bei diesen Entscheidungen immer ums Kind gehen. Aber eines ist ganz klar: Wir sind kein Eliteverein, sondern so aufgestellt, dass wir eine heterogene Schülerschaft auf ihr weiteres Leben vorbereiten können.

Das Interview führte Kirsten Strasser.

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