Grausame Gegensätze: Rechtsextremismus-Seminar der 10. Klassen in Ingelheim

15.08.

Historisch betrachtet hat Deutschland eine grausame, gar bestialische Vergangenheit.

Schulisch betrachtet hatten wir, die 10. Klassen a, b und d, das Dritte Reich ja bereits im Geschichts-/Sozialkundeunterricht.

Doch am 1. Juli 2013 ging es für uns nicht auf Zeitreise, sondern auf eine Tour, die für demokratisch erzogene Kinder Demokratie liebender Eltern nicht so leicht zu verdauen war. Rechtsextremismus.

– WAS WEIßT DU SCHON?

Mit dieser Frage wurde unser Seminar der Fridtjof-Nansen-Akademie eröffnet. Diese Frage war relativ einfach für uns zu beantworten. Etwas schwieriger wurde es dann schon bei der nächsten: Ob wir Rechtsextremismus schon mal im Alltag bzw. der Schule begegnet sind.

Während dieser Gruppenarbeit leisteten uns vier Experten des Ingelheimer Bildungszentrums, die uns den ganzen Tag über begleitet hatten, Gesellschaft und Hilfe.

Es hat eine Weile gedauert bis wir merkten, dass mit dieser Frage auch „Spaß-Aktionen“, wie eingeritzte Hakenkreuze oder Witze von Mitschülern, gemeint waren. So werden wir (wie viele andere Schulen) auch mit diesem Thema immer mal wieder auf ganz verschiedene Weise konfrontiert.

Den Nachmittag verbrachten wir in Workshops, in denen das komplexe Thema „Rechtsextremismus“ aufgesplittet wurde.

Genres: Musik, Fußball, Internet, Gewalt.

Es ist schon ein wenig verwundernd, dass man Rechtsextremismus jeden Tag begegnen könnte. Facebook, Youtube... Die Organisationen und Parteien (wie NPD) schreiben sogar Jugendliche an, wenn sie wahlberechtigt sind oder werden.  

Wie schnell man in die Szene aber noch passiver hereinrutschen könnte, lernten wir im Workshop zu „Rechte Gewalt“:

Manche Menschen finden in den rechten, gewaltbereiten Gruppen eine zweite Familie und werden durch diese Bewunderung und das Wir-Gefühl in den Sog der Gewalt gezogen. (Selbstverständlich gibt es aber auch viele politisch überzeugte Anhänger.)

In dem Workshop lernten wir aber auch, wie man mit Gewalt im Alltag umgehen sollte. Das Zauberwort heißt Zivilcourage.

Unser Wissen über dieses wichtige und dennoch oft vernachlässigte Wort wurde durch ein Rollenspiel ergänzt. Ort: Bus.

Wie viele wissen soll man ja, falls jemand von einem Fremden irgendwie angegangen wird, gezielt Menschen im Umkreis ansprechen, um dem „Täter“ in der sicheren Überzahl entgegentreten zu können.

Hat man es bis dahin geschafft soll man sich aber vor allem um das „Opfer“, sprich z.B. die belästigte Person kümmern, indem man einen zufälligen Namen erfindet. Man gaukelt dem so verwirrten Täter vor, man kenne diese Person. Schließlich ist es leichter, sie aus der heiklen Situation herauszubekommen.

Denn: Es geht immer um das Opfer, nicht um den Täter.

Auch in der Musik breitet sich ihr ideologisches Gedankengut in allen möglichen Genres aus. Hip-Hop, Schlager... Es herrscht nicht mehr allein das Klischee der Skinhead-Musik vor, damit „für jeden etwas dabei“ ist. Vor allem war die nun verbotene Schulhof-CD Gesprächs-/Diskussionsthema. Auffallend ist vor allem die Aggressivität, mit der Musiker dem Zuhörer seine Gedanken offenbart. Beleidigungen dienen den rechtsextremen Musiker (oft als einziges) Stilmittel, um den Zuhörer zum Widerstand anzustacheln.

Ich bekam von dieser Musik Kopfschmerzen und hatte auf dem Heimweg einen Ohrwurm von Madonna:

„We all need to change/
Or just repeat history/“

(Or just read the history.)

Laetitia d. B. (MSS 11)

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