„Hörst du mich Gefahr? Ich lach dir ins Gesicht!“

17.02.

(Zitat und Einstellung aus dem glorreichen „König der Löwen“)

Montag, 27. Januar, 11Uhr.

Ein Puls von schätzungsweise 580, mein Atem geht zu schnell und meine Brust scheint zu eng. Ich versuche mich zu beruhigen und die Kontrolle über meine weichen Knie zurückzuerlangen. Die desillusionierende Wahrheit, dass es sich bei dieser Piste gerade einmal um den “Idiotenhang“ handelt, versuche ich mit aller Macht meinem Ego vorzuenthalten. Herr Fischer gibt das Zeichen zum Losfahren. Einatmen. Schlucken. Ausatmen und das Gewicht auf den Talski verlagern (Heilige Maria Mutter Gottes…).Ich bewege mich in Zeitlupe zwei Meter nach unten rechts (…bitte für uns Sünder…). Ein Rucken, ein unkontrolliertes Flutschen und plötzlich entgegenpeitschender eiskalter Wind in meinem roten Gesicht (…jetzt und in der STUNDE UNERES TODES…). Die Schwerkraft funktioniert also auch auf der Zugspitze ganz hervorragend!! Alles Gefühl scheint aus meinen Wangen zu weichen, während sie blitzartig einfrieren. Der grüne Drahtzaun kommt mit jeder Millisekunde näher. Bremsen Juli, BREMSEN!! Endlich gehorchen meine Beine den Befehlen meines, von Angst und

Kälte sedierten, Gehirns. Das Gewicht nach vorne, die Ski in V-Stellung. Ich werde langsamer und bleibe, nach vier Herzinfarkten und fünf weiteren Schweißausbrüchen, nun doch stehen (Amen!!!!!)

Am 26. Januar diesen Jahres war es soweit. Der 12er Sportkurs um Frau Licht, unter Begleitung von Herrn Fischer und Herrn Becker, machte sich auf nach Garmisch-Patenkirchen, um die Kunst des Skifahrens zu erlernen. Nach acht Stunden Busfahrt und einer abenteuerlich Jeep-Tour, welche an einem Rodeo Besuch erinnerte, kamen wir an der entzückenden „Tonihütte“ an. Die romantischen Fackelleuchten vor der Tür und meterhohen Schneeberge rings um das kleine Holzhaus boten ein wunderschönes Bild. Rentierfelle an den Wänden und schwere Holzmöbel machten die Heidiatmosphäre perfekt.

Wir teilten uns also in „Anfänger“ und „Fortgeschrittene“ auf und begaben uns am Montagmorgen auf die schneebedeckten Hügel. Während die Profis bereits elegant über die steilsten Pisten kurvten begannen wir Anfänger zunächst mit einfachen Gleichgewichtsübungen, steigerten uns jedoch überraschend schnell. Die Vokabeln „Pizza“, „Pommes“ und „Banane“  bekamen plötzlich völlig neue Bedeutungen.

An Tag zwei drehte Frau Licht mit ihrer gesunden Hand einen kleinen Film, welcher eine genaue Analyse unserer Fahrkünste ermöglichte. Schon am nächsten Tag konnten wir wieder neue Fortschritte verzeichnen.

Selbstverständlich betrachtete jeder von uns den Schnee das ein oder andere Mal noch unfreiwillig aus der Nähe und unsere Beine färbten sich mit jedem Tag etwas blauer. Den Mut verlor dennoch keiner.

Donnerstag, 30.Januar.

Ähnlich hoher Puls, völlig andere Situation. Mein Herz rast und mein ganzer Körper scheint unter Starkstrom zu stehen. Wir stehen am Fuße der schwarzen Piste, sehen uns gegenseitig mit leuchtenden Augen an und wissen dass wir in diesem Moment alle dasselbe fühlen. Euphorie, Erleichterung und vor allem der Stolz es der eigenen Angst so richtig gezeigt zu haben!!

Von Angst,- zu Skihasen in nur vier Tagen.

Eine große persönliche Entwicklung!

Julia B. MSS 12

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