Unternehmenseinblick statt Unterricht

24.05.

Oliver Orth, Auszubildender zum Mechatroniker im zweiten Lehrjahr, erklärt Patricia Nahrgang in der Ausbildungswerkstatt den Aufbau einer elektropneumatischen Steuerung.	Foto: hbz/Alexander Sell

 

Von Torben Schröder

TAG DER OFFENEN TÜR Schott AG informiert 200 Schüler über Ausbildungsberufe

MAINZ - Nachwuchssorgen haben sie nicht bei der Schott AG. „Wir sind immer noch in der glücklichen Lage, viele Bewerbungen zu bekommen“, so PR-Chef Jürgen Breier. 110 Azubis mischen sich unter die 2500 Mitarbeiter des größten industriellen Ausbilders in Mainz. „Wir haben ein gutes Standing, die Lage ist lange nicht so angespannt wie bei vielen kleineren Betrieben.“

Doch das muss ja nicht zwingend so bleiben. Deshalb richtet die AG auf dem Werksgelände zwischen Hattenbergstraße und Rheinallee seit mehr als zwei Jahrzehnten den „Tag der offenen Tür der Ausbildung“ aus. Organisiert von den Auszubildenden im ersten Lehrjahr, wird potenziellen Bewerbern ein umfassender Eindruck vermittelt, was sie erwartet. Allein 200 Neunt- und Zehntklässler des Frauenlob- und des Otto-Schott-Gymnasiums, zwei der sechs Partnerschulen der Schott AG, waren vor Ort. „Wir merken schon, dass die Bewerber mehr filtern“, sagt Ausbilderin Hannelore Scheidt, „die Kandidaten sind wechselfreudiger, haben mehr Auswahl.“

Deshalb versucht das Glaswerk rechtzeitig mit seinem riesigen Betriebsgelände und der Firmenatmosphäre zu punkten. „Wer mal mit uns als Unternehmen in Kontakt gekommen ist, ist bei einer Zusage auch zuverlässiger dabei“, hält Scheidt fest. 1000 Bewerbungen kommen aktuell auf 45 ausgeschriebene Lehrstellen, wobei sich Probleme im Elektro-Bereich abzeichnen. „Da geht der Trend zum Studium“, so Scheidt, „der Anspruch einer Ausbildung zum Elektroniker oder Fachinformatiker wird oft unterschätzt. Wir merken, dass sich hier verstärkt Studienabbrecher bewerben.“

Auch Auslandsaufenthalte

Rechtzeitig in den Lehr-Alltag reingeschnuppert, hätte sich dieser Umweg vermeiden lassen. Die aktuellen Azubis standen allesamt mit Rat und Tat bereit, referierten über ihre Erfahrungen und ihre Auslandsaufenthalte in einem der Schott-Standorte, die sich auf 35 Länder verteilen.

Zudem konnten praktische Eindrücke gewonnen werden, beim Schnellkurs 3D-Zeichnen am Computer, beim Fräsen von Logos, dem Modellieren eines eigenen Metallwürfels, dem Gravieren eines individuellen Schlüsselanhängers oder im Physik-Labor. Hier durfte man zweierlei mitnehmen: In flüssiges Stickstoff eingetauchte Gummibärchen sind zwar eiskalt, schmecken aber auch bei sommerlichen Temperaturen nicht. Dafür lässt eine in voller Blüte erstarrte Rose die Herzen der Beschenkten höher schlagen. Und spätestens beim Ballwurf-Spiel zweier Roboter, begeistert vom „Schotti“-Maskottchen beklatscht, kam so etwas wie Nestwärme in der Industriehalle auf.

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